Montag, 10. Dezember 2018
Satt.
Ich kann ihn einfach nicht mehr ertragen. Seine Manipulation. Seine durchschaubaren Krokodilstränen.
Du hast dich so verändert. sagt er zu mir: Ich hätte nie gedacht, dass du so herzlos und gemein sein kannst.
Wie blöd war er eigentlich, dass er das erst nach all den Jahren bemerkt hat?



Sonntag, 9. Dezember 2018
Neuland.
Totale Verwirrung. Ist das Glück? Liebe auf den ersten Blick?
Ich, die Bindungsängstliche, die sich freut, wenn er fünf Tage nach dem Kennenlernen von mir als "seiner Frau" schreibt; die noch nicht einmal weg ist, und schon fragt: Wann sehen wir uns wieder? Die ihm minutenlang verliebt in die Augen starrt, wo ich doch sonst einen regelrechten Ekel vor diesen Dingen verspüre.
Es ist alles so anders, alles so: unkompliziert. Einfach. Selbstverständlich.

Gestern vormittag habe ich alle Nachrichten von meinem Ex gelöscht. Auch die aus der verliebten Anfangszeit. Damals dachte ich, er würde mir guttun. Heute sehe ich die krasse Manipulation, die Dominanz, die Art, mir einzureden, ich sei launenhaft, komisch, anstrengend. Warum habe ich das nicht gesehen? Ich frage mich das wirklich. SO blind kann man doch nicht sein, vor allem ich nicht, oder? Oder doch.



Montag, 3. Dezember 2018
Abrechnung.
Mit der Zeit entwickle ich ja in anstrengenden Phasen immer einen gewissen Sarkasmus. So auch jetzt. Mir schwebt vor, Buch zu führen, über die Männer. Da fällt mir auch direkt eine Aufstellung meiner negativen Top 4 ein:

Der Schauspieler
Dick, bärtig und irgendwie ungepflegt wanzt er sich auf einer Kellerparty an mich heran, fasst mir unter die Bluse und sagt dann, er sei aber vergeben. Als ich sage, dass ich ihn ja nicht heiraten will, aber wohl mit ihm nachhause gehen würde, ist er völlig paralysiert, wirft mir "wilde", in Wahrheit ziemlich alberne Blicke zu und zerrt mich in seine Wohnung, wo er dann aber aus lauter Überforderung gar nicht kann.

Der Bühnenbildner
Ziemlich unscheinbar wundert es mich, als er mich angräbt, um mit mir auszugehen. In der Stadt, in der er seit 10 Jahren wohnt, kennt er allerdings kein einziges Lokal. Als ich eines bestimme, setzt er sich ans andere Ende des Tischs und erzählt mir vier Stunden, dass sein Leben langweilig ist und er eigentlich nichts macht. Als ich kein zweites Date will, stalkt er mich und veranstaltet Psychoterror. Nach einer Ansage meinerseits traut er sich nicht mehr "Hallo" zu sagen.

Der Lehrer
Der Lehrer ist deutlich älter, nicht sehr attraktiv und dazu auch noch unsicher. Ein junges Date will er offenbar nicht wegen der körperlichen Attraktivität, sondern vermutlich, weil er schlecht mit seinen Schülerinnen schlafen kann, es aber offensichtlich gerne würde. Nachdem ich ihm zu wenig mädchenhaft bin, strengt er sich zwar an, aber für uns beide ist das Rauchen und Rotweintrinken im Bett danach vermutlich der angenehmere Teil des Abends.

Der Anzeigenmann
Hübsch, dreiundvierzig, Typ Geschäftsmann., schrieb er und als er dann das Restaurant betritt, denke ich: Nein. Nicht hübsch. Definitiv nicht dreiundvierzig. Und Typ Geschäftsmann nur in seinen Träumen. Der Sex ist gar nicht mal so schlecht, aber von seinem Geruch wird mir übel. Als er mir danach in die Augen sieht und Liebesgesäusel vorschwärmt, ist mir endgültig schlecht und ich gehe.



Vergleiche.
Nun ist heute abend wieder ein Date, diesmal mit einem Schriftsteller. Ich bin ja mal gespannt.
Gestern hingegen war da der dicke Blonde, mit seiner schönen Stimme und seiner lieben, aber leider nicht ganz dezenten Art, der sich so um mich bemühte, und einerseits dachte ich, er würde mir vielleicht einmal gut tun, als stabiler Typ mit ähnlichen Interessen, aber dann überwog andererseits doch die unmögliche Vorstellung auf einen Sektempfang mit ihm.
Ich bin in zuvielen Welten unterwegs, das wird es sein.
Und zuviel Arbeit ist es auch. Dazu kommt noch er, der immer noch nicht ausgezogen ist. Er macht mich krank, jede Sekunde mehr. Ich frage mich manchmal, was zur Hölle in meinem Blut ist, dass ich noch nicht nervlich tot umgefallen bin.
Neulich verglich sich eine Freundin mit einem Kaktus. Der Logik nach wäre ich eher die Plastikzimmerpflanze, die man auch treten kann, nie gießen muss, und die trotzdem einfach nicht kaputt geht. Blühen kann sie aber leider auch nicht.



Freitag, 30. November 2018
Nostalgie.
Nun fühle ich mich langsam wieder wie mit Anfang Zwanzig, als ich von einer Sache in die nächste gerutscht bin, oft noch parallel hier den einen und nachts im Club den anderen. Nur gefällt es mir nicht mehr.
Ich sehne mich nach dem Ankommen. Das klingt so albern, so nach Bausparvertrag, nach Reihenhaus, nach Einbauküche, aber so meine ich das gar nicht. Ich will meine Unabhängigkeit und meine Freiheit, aber mit jemandem, der auch mal da ist, wenn ich ihn brauche, jemandem, der sich an eine Absprache hält, und vor allem mit jemandem, der sich nicht von meiner Fassade blenden lässt und mir wieder diese Sätze von selbstbewusst und stark vorbetet, wo ich eigentlich nur müde bin und auf der Suche nach einem Ort, wo ich mich vor mir und der Welt erholen kann.



Donnerstag, 29. November 2018
Absagen.
Mir schwante schon Übles, als der Lehrer am späteren Montagabend neben mir lag und zu mir sagte: Du nimmst dir doch auch einfach, was du willst.
Es ist ja nicht so, dass er mein Typ war, ganz und gar nicht, aber dass er sich am Tag darauf meldet und sich für den Abend bedankt, aber dann dazusagt, dass ich nicht sein Typ Frau wäre, und dass mein Tempo ihm auch zu schnell gewesen sei, da frage ich mich schon. Zu schnelles Tempo? Warum sind Männer so verklemmt?



Dienstag, 27. November 2018
Selektion.
Gestern abend noch spontan zu einem Date mit dem Lehrer gegangen. Online wirkte er alternativ, auf eine lässige Art, live dann eher alternativ-phlegmatisch. Den ganzen Abend dachte ich darüber nach, wie verdammt oberflächlich ich bin. Lieber bin ich jahrelang mit einem notorischen Lügner und Fremdgeher zusammen, nur weil er attraktiv, charmant und ausgesprochen gesellschaftsfähig wird, als mit jemand so Netten und Aufmerksamen wie ihm, und das nur, weil die Vorstellung, ihn auf einen Sektempfang mitzunehmen, in mir direkt grauenvolle Assoziationen weckt.



Sonntag, 25. November 2018
Nerven.
Es kratzt an meinem Ego. Wirklich. Und das gar nicht so wenig. Es kratzt an meinem Ego.
Ich habe die letzten Jahre in der Illusion gelebt, wahnsinnig attraktiv zu sein, jeden haben zu können, wenn ich nur wollte, aber ich wollte ja nicht beziehungsweise war ich ja nicht Single und ich wollte ja schon, aber ich hatte eine Ausrede, warum es nicht ging und ich nicht wollen konnte oder auch nicht konnte oder wollte. Aber ich dachte immer, wenn ich wirklich wollte, dann könnte ich, und, das ist die schockierende Nachricht, die an meine Ego kratzt, offensichtlich ist es nicht so.
Du bist nicht mein Typ, schreibt er, und ich bin wie vor den Kopf gestoßen. Nicht sein Typ? Es ist ja nicht so, dass er Brad Pitt wäre, oder Tom Hardy, oder sonst jemand, der außerhalb meiner Liga spielt, nein, er ist kahlköpfig und eher mäßig attraktiv, aber ich bin nicht sein Typ? Das macht mich fassungslos. Außerdem, schreibt er, sei ich ungeduldig.
Damit hat er recht. Ich bin ungeduldig, und das war ich auch schon immer, aber ich stehe dazu. Ein hübscher Typ an der Bar? Warum soll ich Smalltalken, wenn wir auch direkt auf sein Zimmer können. Ein Blind Date? Ein Blick genügt, um die Attraktivität abzuchecken, dann nicke ich in Richtung Tür. Ich bin nun einmal so.
Kann man von mir erwarten, dass ich fünf Tage auf eine Antwort warte? Ich? Nein. Höchstens, wenn mein Gegenüber Tom Hardy wäre...



Reflexion.
Nun stehe ich wieder einmal vor meinem aufgewühlten Leben und weiß nicht, ob ich richtig daran getan habe, es so aufzubrechen. Die letzten Jahre waren ruhig - das ist die positive Interpretation. Gefühllos. Langweilig. Frustrierend. So, dass ich mich völlig in mich selbst zurückgezogen habe, die emotionalen und sensiblen Teil abgeschnitten und abgekapselt habe. Keine Leidenschaft, keine Liebe, keine Zärtlichkeit.
Aber eben auch kein Drama, kein Schmerz, keine Unsicherheiten.
Jetzt ist alles wieder wie auf offener See und ich habe die ganze Zeit das Gefühl, über Bord zu gehen und zu ertrinken und frage mich, ob es wirklich so richtig war, die friedliche und stille Insel meiner Einsamkeit zu verlassen.



Donnerstag, 15. November 2018
Zuviel.
Es ist wie verhext. I keep a close watch on this heart of mine. Das dachte ich zumindest. Und kaum habe ich ein paar Tage mit dem Italiener geschrieben, merke ich zuviel. Ich merke, dass ich leide, wenn er online geht, aber nicht antwortet, und ich mich frage, warum. Ich merke, dass ich warte, auf seine Antworten, die maximal einmal täglich und erst tief in der Nacht erfolgen. Ich merke, dass es mir schon nach wenigen Nachrichten schwer fällt, Leichtigkeit und Unbekümmertheit vorzutäuschen, weil ich einfach nur wahnsinnig müde bin und verdammt nochmal endlich einen schönen Abend mit einem schönen Mann möchte.
Ist das zuviel verlangt.



Sonntag, 11. November 2018
Vielleicht.
Er schreibt mich an und gibt offen zu, dass es nur um körperliche Treffen geht. Keine Partnerschaft, keine Emotion, unverbindlich. Ich sage, ja. Will ich es? Will ich es nicht? Ich weiß es nicht.
Ich weiß nur, dass der Grat zwischen meiner Liebe zur Freiheit und dem Gefühl der Schutzlosigkeit minimal ist, und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gegenüber auf ihm balanciert, verschwindend gering.



Freitag, 9. November 2018
Zukunft.
Er ist alt geworden. Alt und hässlich.
Vor ein paar Jahren noch hatten wir Kontakt, er beschwerte sich damals, dass ihn die Frauen meiden würden, weil er so gebildet sei und sie Angst vor seinem Intellekt hätten. Ich hatte keine Angst vor seinem Intellekt, aber seine Besserwisserei ging auch mir irgendwann auf den Nerv.
Inzwischen ist er alt geworden und hässlich, der Zahn der Zeit nagt eben an uns allen.